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Elektronische Siegel werden eingesetzt, um automatisiert erzeugte Dokumente einer juristischen Person zuzuordnen und ihre Integrität nachweislich zu schützen. Damit ein solches System dauerhaft vertrauenswürdig bleibt, müssen Unternehmen nicht nur die erstmalige Einrichtung planen. Ebenso wichtig sind die regelmäßige Schlüsselrotation und der rechtzeitige Zertifikatswechsel. 

Kryptografische Schlüssel und Zertifikate erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der private Siegelschlüssel wird zur Erzeugung des elektronischen Siegels verwendet und muss vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Das zugehörige Zertifikat verbindet die öffentlichen Validierungsdaten mit der siegelnden Organisation. Es enthält unter anderem Angaben zum Zertifikatsinhaber, zum Aussteller und zum Gültigkeitszeitraum.

Läuft ein Zertifikat ab, wird es widerrufen oder muss der private Schlüssel ersetzt werden, darf der Übergang nicht improvisiert erfolgen. Fehler können dazu führen, dass keine neuen Dokumente mehr versiegelt werden, Empfängersysteme ordnungsgemäß erzeugte Siegel ablehnen oder frühere Dokumente später nicht zuverlässig validiert werden können.

Warum Schlüsselrotation und Zertifikatswechsel notwendig sind

Unter Schlüsselrotation versteht man im Zusammenhang mit elektronischen Siegeln den geplanten oder sicherheitsbedingten Austausch eines kryptografischen Schlüsselpaars. Dabei wird ein neuer privater Siegelschlüssel erzeugt oder bereitgestellt und anschließend für neue Siegelvorgänge verwendet.

Ein allgemeingültiger, gesetzlich festgelegter Rotationszeitraum besteht nicht für jedes Unternehmen und jedes elektronische Siegel. Das geeignete Intervall ergibt sich insbesondere aus:

  • dem Gültigkeitszeitraum des Zertifikats,
  • der Zertifizierungsrichtlinie des Vertrauensdienstanbieters,
  • der Sicherheitsrichtlinie des Unternehmens,
  • dem verwendeten kryptografischen Verfahren,
  • dem Schutzbedarf der versiegelten Daten,
  • den Eigenschaften der eingesetzten Siegelerstellungseinheit,
  • der unternehmensinternen Risikoanalyse.

Ein Zertifikatswechsel bezeichnet den Übergang von einem bisherigen auf ein neues Zertifikat für elektronische Siegel. In der Regel sollte dabei ein neues Schlüsselpaar verwendet werden. Ob eine erneute Zertifizierung desselben öffentlichen Schlüssels zulässig ist, hängt von der Zertifizierungsrichtlinie, dem Zertifikatsprofil, der eingesetzten Siegelerstellungseinheit und den Vorgaben des Vertrauensdiensteanbieters ab.

Ein neues Schlüsselpaar ist häufig vorzuziehen, weil frühere und zukünftige Siegelperioden technisch klar voneinander getrennt werden. Gleichzeitig sinkt das Risiko, dass eine spätere Kompromittierung eines lange verwendeten Schlüssels besonders weitreichende Auswirkungen hat.

Eine Schlüsselrotation oder ein Zertifikatswechsel kann aus unterschiedlichen Gründen erforderlich sein:

  • Das Zertifikat nähert sich dem Ende seines Gültigkeitszeitraums.
  • Die interne Sicherheitsrichtlinie verlangt einen Schlüsselwechsel.
  • Algorithmen oder Schlüssellängen entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen.
  • Der private Schlüssel könnte offengelegt oder unbefugt verwendet worden sein.
  • Eine Hardware-Sicherheitskomponente oder Siegelerstellungseinheit wird ersetzt.
  • Der Vertrauensdiensteanbieter oder die Siegelplattform wird gewechselt.
  • Der Name, die Rechtsform oder andere zertifikatsrelevante Angaben ändern sich.
  • Ein Sicherheitsvorfall macht den sofortigen Widerruf des Zertifikats erforderlich.

Der Zertifikatswechsel sollte nicht erst am letzten Gültigkeitstag beginnen. Identitätsprüfung, Ausstellung, technische Integration, Freigabe und Tests können Zeit beanspruchen. Außerdem müssen möglicherweise mehrere Fachsysteme, Validierungsdienste, Geschäftspartner und Archivkomponenten vorbereitet werden.